Bergamont Vitess Ltd. Rigid 2013

…oder: Der Teufel steckt im Detail

Mein fast volljähriges Villiger Tourenrad hat ausgedient, es musste ein neues her. Zwar war ich mit dem Villiger immer sehr zufrieden, aber die Reparaturen häuften sich und hätten zuletzt viel mehr gekostet, als das Fahrrad, das ursprünglich knapp 2000,- DM gekostet hatte, noch wert war. Nach kurzer Suche habe ich mich für das Bergamont Vitess Ltd. in der gleichen Preislage entschieden, musste dann aber noch bis Anfang November warten, da die 2012er Variante schon ausverkauft und die 2013er noch nicht verfügbar war. Inzwischen habe ich das Rad seit knapp zwei Monaten und bin damit die ersten paar Hundert Kilometer gefahren – genug, um ein Resumé zu schreiben.

Mich für das Vitess Ltd. zu entscheiden war einfach, da es sonst kaum Räder unter 1000€ gibt, die die Merkmale haben, auf die ich besonders viel Wert lege:

  • Ordentliche Gruppe (hier: XT, SLX)
  • Starre Gabel
  • keine Scheibenbremsen, am liebsten hydraulische Felgenbremsen (hier: Magura HS 11)
  • Nabendynamo, nachdem mein letzter Seitenläufer sich bei ca. 55km/h in seine Einzelteile aufgelöst hat

Natürlich hat das Vitess Ltd. noch einiges mehr zu bieten, das mir persönlich nicht ganz so wichtig ist, darunter:

  • Geringes Gewicht (ca. 13kg bei 48cm)
  • Racktime Gepäckträger
  • Ergonomische Griffe (ähnlich Ergon GP1)
  • Busch & Müller Beleuchtung (aber… siehe unten)

Rahmen

Bei Kleidung hört man ab und zu: „Bitte eine Nummer größer bestellen!“. Das trifft auch auf das Vitess Ltd. zu. Mein 52cm Villiger und andere Räder dieser Größe waren zu groß für mich, deshalb habe ich das Vitess in der 48cm Ausführung bestellt. Die Sattelstange ist nun fast ganz draußen und zwischen Oberrohr und Schritt könnten Eichhörnchen stepptanzen. Dennoch lässt sich der Lenker auf eine für mich sinnvolle Höhe einstellen, insofern geht das gerade noch in Ordnung. Zum aufrechten Fahren ist das Bergamont sowieso nicht konzipiert.
Ach ja, das Abus Bordo Faltschloss musste ich am Unterrohr montieren, da am Sattelrohr nicht genug Platz ist. Am Sattelrohr ist nun ein neuer Flaschenhalter, bei dem ich die Flasche seitlich rausnehmen kann. Die SIGG 0,7l Flasche passt übrigens gerade so!

Sorgen hatte ich bei der Steife und Stabilität. In einigen älteren Berichten beklagten Fahrer leichterer Bergamont Modelle sogar, dass ihr Rad anfängt zu „flattern“. Meine Sorgen erwiesen sich aber eindeutig als unbegründet, der Rahmen fühlt sich exakt so an, wie er sich anfühlen soll. Ich fühle mich bei jeder Geschwindigkeit sicher, nichts flattert, was soll ich sagen – es ist einfach alles in Ordnung.

Der Rahmen ist schon mit viel Liebe zum Detail gestaltet, was Vor- und Nachteile hat. Schick ist er, lediglich die ungenutzte zusätzliche Bohrung an der linken Unterstrebe stört das einheitliche, fließende Design. Wozu ist die überhaupt da? Falls jemand doch lieber eine Scheibenbremse montieren möchte?
Das Ausfallende ist auch besonders interessant gestaltet und fließt sozusagen mit dem Rahmen zusammen. Sieht schön aus, hat aber einen Nachteil: Viele Anhängerkupplungen passen nicht mehr, so wie die meines Croozers. Da bleibt nur der Umbau der Kupplung (IMHO am besten auf Weber, wenn man das Geld hat), die Nutzung eines Adapters (z.B. von Burley) mit dem Schnellspanner, wobei man bei der Stabilität Abstriche machen muss, oder der Umbau auf Vollachse, ebenso mit Adapter.

Wer damit rechnet, dass der schick mattschwarze Rahmen länger sauber aussieht, hat sich verrechnet.

Licht und Leichtbau

RADtouren hat beim letzten Modell schon das Licht bemängelt – dem schließe ich mich an. Der Scheinwerfer LUMOTEC Lyt von Busch & Müller hat mich schwer enttäuscht. Vor wenigen Monaten beneidete ich noch eine Bekannte, deren neues Rad den Weg im dunklen, unbeleuchteten Park am Stadtrand ordentlich ausleuchtete, während ich mich mit meiner alten Halogenfunzel kaum traute, schneller als Schritttempo zu fahren. Genau dieser Weg war meine erste Strecke mit dem Vitess. Und wieder fuhr ich nur Schritttempo… Jetzt verrichtet ein Philips SafeRide 60 seinen Dienst am Fahrrad, und das absolut zufriedenstellend. Zu den Anschaffungskosten des Rads würde ich auf jeden Fall noch den Preis eines neuen Schweinwerfers hinzurechnen!
Der Gerechtigkeit halber sollte man hinzufügen, dass andere Räder in dieser Preislage meist auch kein besseres Licht haben.

Das Rücklicht ist okay, auch aus Autofahrer-Sicht.
Ein Problemchen gibt es aber trotzdem. Das Vitess Ltd. ist ein Fahrrad, dass einerseits auf Leichtbau getrimmt ist, andererseits eine Vollausstattung hat. Um Gewicht zu sparen wurde die schicke und stabile Gepäckträger Racktime Light-It verbaut. Dieser ist schmaler als ein üblicher Gepäckträger – sogar schmaler als das natürlich überstehende Rücklicht, das er dementsprechend nicht schützt! Und so nahm das Schicksal beim Anlehnen des Rads an einer Stange irgendwann mal seinen Lauf… Hoffentlich hält mein neues Philips Rücklicht länger. Besitzer eines Vitess Ltd. oder eines Racktime Light-It müssen sich einfach angewöhnen, auf so etwas zu achten.

Kleinteile und Regen

Seitdem ich das Fahrrad habe, regnet es. Jetzt wisst ihr es, sorry, ich bin schuld an dem schlechten Wetter.
Mein Rad steht übrigens immer im trockenen Keller, wenn es nicht gefahren wird. Dennoch habe ich ein einem der beiden WELLGO LU-975 Pedale etwas Rost bemerkt. Nachgeschaut hatte ich übrigens nur deshalb, weil das Pedal knackte – das Lager war kaputt. Mein Händler hat mir dann bessere Pedale zu seinem Einkaufspreis gegeben, ich weiß leider nicht wie die heißen. (Nachtrag: Sie sind von VP, den Modellnamen weiß ich leider immer noch nicht.) Natürlich ärgerte ich mich über das kaputte Pedal, andererseits sind die WELLGOs bei Regen sehr rutschig, ich würde diese Pedale niemandem empfehlen. Bei den neuen Pedalen dagegen habe ich eine sehr guten Halt, das ist mir schon viel wert.

Auch die Kosten für eine neue Klingel sollten mit einkalkuliert werden, falls man im Regen fährt – dann klingelt die originale Glocke von Bergamont nämlich nicht mehr. Meine rostete innen schon nach ein paar Wochen.

Die ergonomischen Griffe bringen vermutlich nur dann einen Vorteil, wenn man mit normalen Probleme hat. Allerdings sind diese Griffe und somit auch der Lenker wesentlich schwieriger einzustellen als normale Griffe. Ich habe Wochen gebraucht, um eine komfortable Lenker-/Griffposition zu finden, bei der mir die Hände nicht einschlafen. Jetzt ist aber alles okay.

Der Ständer funktioniert, sollte aber wegen seines Winkels und leichten Materials präzise eingestellt werden, während es bei anderen Ständern oft egal ist, ob sie nun einen Zentimeter zu lang oder zu kurz sind. So stabil und sicher wie mein alter Pletscher Ständer, der auch hielt, wenn ich ein Dutzend 1,5l-Flaschen Sprudel im Korb hatte, ist der Atran des Vitess Ltd. sicher nicht, wiegt dafür aber vermutlich nur die Hälfte.

A propos Pletscher – mein letztes Rad hatte einen Pletscher Gepäckträger, bei dem man Taschen und Körbe schnell befestigen und abnehmen kann. Das System von Racktime ist eindeutig besser. Nicht nur, dass der Korb viel stabiler sitzt, er lässt sich auch abschließen, wenn man den Wucherpreis von 13€ für das poplige aber funktionelle Schloss zahlt. Nochmal: Systemkörbe und -taschen sitzen selbst auf dem dünnen Racktime Gepäckträger sicherer als bei Gepäckträgern in normaler Größe von Pletscher oder mit InterChange System!

Shimano, SRAM und Magura

Hmja. Mal gucken, wie das in den nächsten Jahren wird. Bisher sehe ich noch keinen Vorteil bei den Maguras gegenüber meinen alten DiaCompe V-Brakes, die Bremsleistung ist ähnlich und lässt sich nicht besser oder schlechter dosieren. Aber die V-Brakes ließen sich besser einstellen.

(Nachtrag… oder Vortrag? Das Nachfolgende hat schon keine Gültigkeit mehr, die Schaltung konnte ich heute endlich ideal einstellen. Lange hat’s gedauert.) SLX Schalthebel, XT Schaltwerk und Umwerfer, SRAM Zahnkranz –  klingt gut. Wieso schaffe ich es nicht, das alles so einzustellen, dass die Schaltung so zuverlässig, schnell und präzise wie bei meiner uralten Deore LX läuft? Klar, die LX hat nur 8 Gänge, die XT 10, aber man sollte doch denken, dass sich seit den 90ern einiges getan hat und eine aktuelle XT so gut wie eine LX von damals schaltet? Vor einer Weile habe ich das Rad deshalb zu einer guten Werkstatt gegeben, danach ging es eine Weile besser, aber insgesamt fühlt sich das Schaltwerk eher nach 200GS an als nach LX oder XT. Okay, 200GS ist ein bisschen übertrieben. Aber manchmal knackt da irgendetwas beim Treten, vor allem beim Anfahren… Ich muss da wohl noch viel Zeit investieren.

Während ich bei der LX alle 24 Gänge genutzt und mir ab und zu Zwischengänge gewünscht habe – deshalb wollte ich übrigens keine 11 Gang Nabenschaltung – nutze ich nun fast nur die „mittleren“ zehn Gänge. Naja, besser zu viel als zu wenig.

Fazit

Würde ich das Rad noch einmal kaufen oder einem Freund empfehlen? Ja, unter zwei Voraussetzungen:

  1. Das Rad ist meiner Meinung nach nicht von der Stange perfekt. Man sollte sich Zeit nehmen, Geduld haben und auch selber Hand anlegen können. Vermutlich wird man in den Wochen nach dem Kauf noch einiges an dem Rad ändern, bzw. anders einstellen wollen.
  2. Man sollte mindestens noch weitere 60€ für einen ordentlichen Scheinwerfer einplanen. Am besten tauscht man gleich auch die Pedale und die Glocke aus.

Man erhält dann ein gut ausgestattetes Rad mit einem ordentlichen Rahmen, aber ohne unnötigen Schnickschnack, der nur den Preis oder das Gewicht erhöhen würde.

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TV-Serien Vorschau 2013

Vor wenigen Wochen hat die neue Fernsehserien-Saison in den USA begonnen und es zeichnet sich schon ab, welche Serien eine Zukunft haben werden und vermutlich auch in Deutschland zu sehen sein werden. Doch bevor es zu den neuen Serien geht, möchte ich eine Serie von 2010 empfehlen, die ich bei der Vorschau 2012 nicht erwähnt hatte: Sherlock! Schon jetzt hat die Serie Kultstatus und selbst eingefleischte Sherlock Holmes Fans sind begeistert. Für viele ist Jeremy Brett die perfekte Verkörperung von Sherlock Holmes. Aber der neue Holmes – Benedict Cumberbatch – steht ihm in nichts nach und überzeugt selbst Bretts größte Anhänger. Warum ich diese Serie jetzt erwähne, könnt ihr gleich beim ersten Eintag lesen.

Hier nun die neuen Serien in alphabetischer Reihenfolge:

Elementary
In der Film- und Serienindustrie scheint es in den letzten Jahren zwei Trends zu geben: zum einen Grimms Märchen und zum anderen Sherlock Holmes. Guy Ritchie machte Robert Downey Jr. zu einem Holmes, wie wir ihn nicht kannten und ebnete damit auch sicher den Weg für die sehr erfolgreiche britische Fernsehserie Sherlock. Und was macht Amerika mit erfolgreichen englischen Serien? Kopieren!

Elementary spielt wie Sherlock in unserer Gegenwart und Sherlock selbst, dargestellt von Jonny Lee Miller ist nun gar nicht so, wie man ihn sich vorstellt. Er ist natürlich hochintelligent, vor allem aber gelangweilt und eindeutig soziopathisch – letzteres vermutlich nicht klinisch, sondern aus Desinteresse. Holmes ist gleichzeitig verwirrt und fokussiert, Chaot und vorausplanend. Mit anderen Worten, dieser Holmes ist eigentlich genau so wie der Holmes aus der BBC-Serie Sherlock. Naja, zumindest soll er das sein, aber es haut nicht so ganz hin. Denn Sherlock-Fans wissen es schon: Cumberbatchs eigentümliche Art kann nicht kopiert werden.

Was wäre Holmes ohne seiner Watson? Moment – seiner Watson? Genau, es geht hier nämlich um Dr. Joan Watson, gespielt von Lucy Liu. Wie brilliant – Homes eine Frau zur Seite zu stellen, dadurch wird die Serie sehenswert! Was für eine unglaubliche kreative Idee! (Für Menschen, die keine Ironie erkennen: Das hier ist welche.)

Und da haben wir das Problem schon. Im Internet wird die Serie als „Show with not Benedict Cumberbatch and not Martin Freeman“ bezeichnet. Elementary muss sich an Sherlock messen und zieht dabei den Kürzeren.
Das Doofe daran ist: Würde man Elementary für sich alleine betrachtet sehen, ist es gar keine schlechte Sendung. Ganz im Gegenteil, eigentlich ist Elementary nach den ersten vier Episoden recht gut. Nun ja, sicher nicht so gut wie Sherlock, aber dennoch besser als viele andere Krimiserien, die wir gerne gesehen haben.

Revolution
Es gibt noch einen dritten Trend, der nicht so groß wie die ersten beiden ist. Die Apokalypse, der Untergang unserer Kultur, das Verschwinden unserer Technologie und so weiter. Normalerweise haben diese Serie die Tendenz – abgesehen von The Walking Dead – nach ein oder zwei Staffeln abgesetzt zu werden. Und genau so wird es auch bei Revolution sein.

Eines Tages, vielleicht im Jahr 2012, geht weltweit das Licht aus. Nicht nur das – kein elektrisches Gerät funktioniert mehr. 15 Jahre später ist Amerika in einem mittelalterlichen Zustand. Es gibt die Bösen, eine handvoll Gute, zwei, bei denen man es nicht genau weiß, und eine Menge Fußvolk. Und es gibt die große Frage: Warum ging das Licht aus und wie schalten wir es wieder an? An für sich klingt das recht spannend und tatsächlich habe ich Hoffnung, dass aus der Serie noch etwas werden könnte.

Im Moment ist die Serie aber noch nicht der Hit. Die Handlungsstränge wirken unkoordiniert, die Hintergrundgeschichten unrealistisch – zum Beispiel geht eine Frau kurz nach dem Blackout zu Fuß von der West- zur Ostküste Nordamerikas. Fahrräder würden übrigens noch funktionieren…

Die Grundgeschichte erinnert an Dark Angel, eine meiner Lieblingsserien, die nach der zugegeben grottenschlechten zweiten Staffel abgesetzt wurde. Revolution wird vermutlich noch früher abgesetzt, denn Dark Angel hatte Jessica Alba und Revolution hat Billy Burke- und der spielt seine Rolle leider alles andere als überzeugend, allein daran könnte die Serie schon scheitern.

Wen die Thematik interessiert, sollte sich die Serie dennoch anschauen. Die Idee ist ja recht gut und vielleicht, vielleicht wird ja doch noch etwas daraus.

Fertig
Genau. Das war’s. Im Gegensatz zum letzten Jahr gibt es dieses Jahr kaum sehenswerte neue Serien.Schade, aber da kann man wohl nichts machen.

Moment mal! Da ist wohl ein Nachtrag fällig (01.11.2012)

Arrow
Gerade lief die vierte Episode von Arrow und sie war definitiv sehenswert. Die Serie hat gut gestartet und wird immer besser.

Oliver Queen, Playboy und Milliardärssohn, gerät auf einer Yacht in einen Sturm. Die Yacht sinkt, dabei sterben seine Freundin und sein Vater. Als einziger Überlebender kann er sich auf eine Insel retten und ist dort fünf Jahre verschollen. In dieser Zeit verändert er sich moralisch und wird körperlich härter, um auf der Insel überleben zu können. Nach seiner Rettung scheint er einen Rachefeldzug im Sinne der Gerechtigkeit zu führen – als maskierter Bogenschütze.

Anders als andere Superheldengeschichten zeichnet diese Serie kein Bild eines guten Helden, der gegen die Bösen kämpft. Oft scheinen Olivers Methoden falsch und grausam. Ebenso kann man kaum erkennen, wer in seinem Umfeld auf seiner Seite steht oder eher gegen ihn agieren könnte.

Obwohl die Handlung direkt und nachvollziehbar ist, gibt es genug Geheimnisse zu lüften. Was hat Oliver auf der Insel so verändert? Ist die robuste Yacht wirklich nur durch den Sturm geborsten? Welches Vermächtnis hat sein Vater ihm  hinterlassen?

All dies macht Arrow zu einer spannenden und sehenswerten Geschichte – und somit zu meiner bisher einzigen Empfehlung dieses Jahr.

Des Buchhalters nützliche Helfer 2: Die Tastatur

Ganz schön anstrengend ist das zur Zeit mit der berufsbegleitenden Fortbildung. Nicht nur, dass ich kaum noch zum Schreiben oder anderem Privatkram komme – auch die Konzentration leidet ab und zu darunter. Das merke ich dann, wenn ich mich immer häufiger vertippe. Dagegen könnte man natürlich auf die unterschiedlichsten Arten angehen, zum Beispiel mit Yoga oder Stressabbau am Boxsack, aber das braucht ja auch alles wieder Zeit, die man nicht hat. Oder man könnte sich mit Tabletten, von Ginkgo bis Ritalin, aufputschen, was aber entweder von zweifelhafter Wirkung oder aus gesundheitlicher Sicht nicht sehr sinnvoll ist.

Zumindest beim vermehrten Vertippen hat eines geholfen: Eine neue Tastatur! Warum? Wenn ich unkonzentriert bin, bin ich oft nicht sicher, ob ich eine Taste wirklich richtig gedrückt oder sogar zusätzlich die benachbarte Taste mit erwischt habe. Nun habe ich eine Tastatur mit haptischem und akustischem Feedback, und damit tippe ich schneller und sicherer, auch wenn ich gestresst oder müde bin.

„Haptisches und akustisches Feedback“ klingt ja hochtechnisch und kompliziert! Ist es aber nicht. Eigentlich heißt das nur, dass man beim Betätigen der einzelnen Tasten einen spürbaren Widerstand überwinden muss und dass es dabei ein Klickgeräusch gibt. Letzteres kann auch ein Nachteil sein – aber eins nach dem anderen! Wenn man beim Tippen/Buchen weder auf die Tastatur, noch auf den Monitor schaut, ist so ein Feedback verdammt praktisch.

Wann kann mir eine neue Tastatur helfen?

Es gibt nur wenige Gründe, sich eine neue Tastatur zu kaufen, wenn die alte nicht gerade kaputt ist. Die Tastaturen, die ich meine, sind sinnvoll, wenn ihr zum Beispiel…

  • ab und zu nicht sicher seid, ob ihr eine Taste wirklich gedrückt habt
  • ab und zu benachbarte Tasten mit erwischt
  • gesundheitliche Probleme wie Sehnenscheidenentzündung oder Karpaltunnelsyndrom habt
  • das Gefühl habt, eure aktuelle Tastatur bremst euch aus
  • euch einfach mal wieder was cooles kaufen wollt, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben

Was ist denn an den tollen, anderen Tastaturen so anders?

(minimaler Technikausflug, bei Nichtinteresse bitte überspringen)

Ganz grob vereinfacht: Die heutzutage üblichen, günstigen Tastaturen haben im Regelfall unter den Tasten jeweils ein kleines Gummidiaphragma (yeah…), das man mit der Taste auf die Kontakte einer Leiterbahn drückt. Das kann sich gar nicht gut anfühlen – und erst recht nicht gut klingen.

Damals, in der guten alten Zeit, gab es Knickfeder-Tastaturen. Fast genau so lange gibt es schon mechanische Tastaturen, bei denen unter jeder Taste ein einzelner Taster sitzt. Beides ist in der Produktion viel teurer als die Gummikuppelvariante, aber auch wesentlich hochwertiger.

Aber was für eine Tastatur hilft nun?

Grundsätzlich wird sich vermutlich jeder auf egal welcher mechanischen Tastatur wohler fühlen als auf den herkömmlichen, egal ob Vieltipper, Zocker, Zwei-Finger-Suchsystem-Tipper, etc… Welche für dich die richtige ist? Gehen wir’s mal durch. Da gibt es Tastaturen mit…

1. MX Blue Switches: Das sind genau die Tastaturen, die klicken und bei denen man einen Widerstand spürt, sobald die Taste auslöst (Umschaltpunkt) – was sie übrigens nach zwei von vier Millimetern macht. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ohne auf Tastatur oder Monitor zu gucken, weiß man immer ganz genau, ob man die Taste wirklich gedrückt hat. Auch für die Gesundheit ist das gut: Normale Tasten drückt man bis zum Anschlag (Aufprall!) durch, was für die Finger nicht gerade der Hit ist. Mit etwas Übung drückt man die Blue Switches nur halb durch, es findet kein Aufprall statt und die Gelenke und Sehnen werden entlastet. Blue Switches fühlen und hören sich herrlich nostalgisch an – in etwa so wie die Tastaturen alter elektrischer Schreibmaschinen. Sie wirken sehr hochwertig.
Nachteil: Die Lautstärke. Wenn man sich das Büro mit lärmempfindlichen Kollegen teilt, könnte man sich mit dieser Tastatur Feinde machen. Aber vielleicht will man das ja auch… 😉

2. MX Brown Switches: Wie die Blue Switches, aber ohne das Klicken nach 2mm. So leise wie Gummikuppeltastaturen sind sie nicht, aber eben leiser als die Blue Switches. (Unterart: MX Clear Switches mit mehr Widerstand und daurch den Gummikuppeltastaturen ähnlicher, auch wenn’s paradox klingt)

3. MX Black Switches: Diese Taster haben weder ein Klicken noch einen spürbaren Umschaltpunkt. Stattdessen haben sie einen gleichmäßigen und sehr hohen Widerstand. Sie fühlen sich ein wenig wie die günstigen Tastaturen an, durch den höheren Widerstand tippt man jedoch sicherer. Wenn du oft benachbarte Tasten erwischt, solltest du diese Tastatur in Betracht ziehen. Auch für Spieler ist diese Tastatur perfekt geeignet. (Unterart: MX Red Switches mit weniger Widerstand, da kann man gleich eine normale Tastatur nehmen)

4. Knickfedern (Buckling Springs): Versetzt hier der Glaube Berge? Diese Tastaturen bieten irgendwie ein Feedback und machen auch Krach, aber so gut zu definieren wie bei den mechanischen Tasten ist das nicht. Nur Unicomp stellt diese Art von Tasten her. Die Tastaturen sind günstiger als die meisten mechanischen und bieten unabstreitbar Vorteile: Sie halten im Idealfall mehrere Jahrzehnte – auch heute sind noch über 25 Jahre alte IBM Model M Tastaturen im Einsatz und erzielen sehr hohe Preise auf dem Gebrauchtmarkt. Die meisten dieser Tastaturen haben abnehmbare Tastenkappen und lassen sich somit sehr einfach reinigen.
Aber viel wichtiger: Man tippt gut damit! Ob das an den Federn liegt – keine Ahnung. Die Tasten sind nämlich auch ungewöhnlich, da sie sich nach oben stärker verjüngen – somit ist es schwieriger, benachbarte Tasten versehentlich mit zu betätigen. Wenn man glaubt, die bisherige Tastatur bremse einen aus, sollte diese Tastatur die Lösung sein.
Leider, leider klingen die Tasten meiner Meinung nach billig und schlecht. Vor allem, wenn man die Feder mitschwingen hört – das klingt wie nicht gewollt und nicht wie ein Qualitätsmerkmal. Trotzdem ist das momentan meine Standardtastatur.

5. Gummikuppeln: Wenn die vorherigen Tastaturen einfach zu teuer sind, dann muss man wohl zu einer modernen Tastatur greifen. Ich hatte gerade Probleme mit einer von drei „identischen“ Tastatur von Logitech. Alle drei fühlen sich unterschiedlich an und nur mit einer kam ich irgendwie klar (gerade durch MX Blue Switches ersetzt). Es mag sicher gute Gummikuppeltastaturen geben, aber die Serienstreuung scheint mir hier extrem hoch. Natürlich wird es besser, je teurer die Modelle sind – Logitech G510 zum Beispiel sollten alle okay sein. Aber für das Geld… Probleme habe ich in letzter Zeit auch mit Microsoft – zu laut, zu schwabbelig, zu wenig Widerstand.
Tatsächlich empfehlen kann ich nur eine Marke, die erschwinglich ist und seit Jahrzehnten eine gleichbleibende Qualität bietet: Cherry. Nicht umsonst ist die G83 die meistverkaufte Office-Tastatur.

Kinesis Advantage Pro

6. Und es gibt die Kinesis Advantage Pro: (auch mit MX Switches) Wenn man partout nicht weiß, wohin man mit dem ganzen Geld soll 😉

 

Die MX Switches sind übrigens von der Auerbacher Firma Cherry. Es gibt auch andere Hersteller ähnlicher Taster, die sind jedoch weniger verbreitet und in Deutschland nur sehr schwer zu bekommen.

Und welcher Hersteller ist nun der richtige für mich?

Viele mechanische Tastaturen sind für Spieler gemacht und sind für das Büro nur bedingt geeignet. Im Regelfall haben sie Zusatzfunktionen, die wir Buchhalter nicht benötigen und die wir nur teuer mitbezahlen würden. Manche Spielertastaturen verzichten auch auf den Nummernblock. Besonders empfehlenswert für die Arbeit sind Cherry, Unicomp und Filco.

Den günstigen Einstieg bietet der Hersteller der Switches selbst, Cherry. Dort gibt es das Modell G80-3000 mit Blue (LSCDE), Brown (LQCDE) oder Black (LPCDE) Switches. In manchen Bewertungen wird diese ab und zu als nicht stabil genug oder das Gehäuse als zu billig für die Switches dargestellt. Dazu muss ich folgendes sagen:

  1. Die G80 ist stabiler als die meisten Tastaturen bis zu dieser Preisklasse und für unseren Job definitiv robust genug. Sie wiegt nicht knapp zwei Kilo wie eine Unicomp und hat auch keine massive Stahlplatte drin, aber mal ehrlich – brauchen wir das?
  2. Zum Vergleich halten oft andere Tastaturen mit MX Switches her. Diese kosten im günstigsten Fall schon die Hälfte mehr als die G80 – eher aber das zwei- bis vierfache!
  3. Es sind sicherlich produktionsbedingt, wie soll man das nennen… Ungleichmäßigkeiten am Gehäuse zu erkennen, wenn man genau hinschaut. Bei modernen Tastaturen würde man das nicht erwarten, aber vermutlich benutzt Cherry noch Gussformen aus den 80ern, wer weiß… Die Qualität scheint nicht darunter zu leiden, aber die Optik vielleicht. Ich schreibe „vielleicht“, weil ich das ganze irgendwie cool finde, die Tastatur bekommt dadurch mehr Charakter.

Wenn man eine neue Tastatur mit Buckling Springs will, hat man eh keine Wahl, die werden nur noch von Unicomp hergestellt. Den deutschen Vertrieb hat Fuchs. Besonders zu empfehlen ist das Modell Ultra Classic. Qualitativ ist kein Unterschied zur normalen Classic zu erkennen, die letztere ist zwar erprobter, aber wirklich riesengroß und braucht unnötig viel Platz ohne weitere Vorteile zu bieten.

Wer ein wirklich robustes Gehäuse mit hervorragender Verarbeitung will, liegt bei Filco – dem vermutlich bekanntesten Anbieter ausschließlich mechanischer Tastaturen – sicher richtig. Allerdings muss man für eine Majestouch etwas tiefer in die Tasche greifen.

In der oberen Preislage gibt es noch einige andere Anbieter, die in Deutschland mehr oder weniger verbreitet sind und sich qualitativ kaum unterscheiden. Zu diesen Herstellen gehören zum Beispiel Matias, Das, Topre, Zenith,  Leopold und so weiter. Bisher habe ich noch über keines dieser Keyboards Schlechtes gehört, die Hersteller verfolgen jedoch oft leicht unterschiedliche Konzepte und man muss einfach raussuchen, was am ehesten zu einem passt. Zusatzfeatures sind zum Beispiel Multimediatasten oder Macro Keys, besonders niedrige Lautstärke, kompaktes Gehäuse, USB-Hub, beleuchtete Tasten, Ventilator gegen schwitzende Finger und so weiter.

Des Buchhalters nützliche Helfer 1: Kugelschreiber, Stempel

Herzlich willkommen zum ersten Teil von „Des Buchhalters nützliche Helfer“. In dieser Serie werden Dinge vorgestellt, die das Buchen leichter, schneller oder komfortabler machen. Dies können zum Beispiel Büroartikel, Programme, Seminare, Bücher, Formeln oder Hardware sein. Heute geht’s mit etwas Kleinem los: der richtigen Kugelschreibermine. Und gleich danach gibt es etwas, dass den Kugelschreiber weitgehend überflüssig machen könnte.

Kontieren auf Thermopapier – nur mit der richtigen Mine!

Kontieren auf dem Beleg – muss das sein? Da scheint jeder eine andere Meinung zu haben, aber immer weniger tun es wohl, wie ich beim letzten bbh-Seminar feststellen durfte – und das, obwohl die Seminarleiterin Anita Dormeier darauf hinweist, dass es doch Pflicht sei!
Aber wie läuft das bei Thermopapier? Laut §14b UStG müssen Belege 10 Jahre aufbewahrt werden. Die meisten Thermobelege werden das nicht schaffen, manche kann man ja schon nach ein paar Wochen nicht mehr lesen. Aber nicht jeder Mandant kopiert die Belege und so kontiert man doch mal direkt auf diesem unliebsamen Papier. Ich mache das sogar recht häufig, was auch der Grund dafür ist, dass ich mit Kugelschreiber schreibe.

Lässt sich immerhin noch lesen: Tintenschreiber auf Thermopapier. Aber besser geht’s allemal.

Gel-Roller, Faserschreiber, Füller, Tintenroller – alles schreibt besser als ein Kugelschreiber. Aber bei Thermopapier versagen sie alle. Entweder schmieren sie oder im schlimmsten Fall schreiben sie erst gar nicht. Die Lösung: der gute alte Kugelschreiber. Aber auch dort gibt es einiges zu beachten: Parker zum Beispiel stellt für die Kugelschreiber zwar grüne Minen her, die sind aber leider auf Gel-Basis und funktionieren auf Thermopapier nicht. Zum Glück gibt es Fremdhersteller, aber auch dort wird die Luft dünn, wenn es grün sein muss. Schneider ist sicher der bekannteste Alternativ-Hersteller, allerdings schreiben deren Minen erst nach 1-2 Zentimetern ordentlich! Das bedeutet: Statt nur „8400“ zu schreiben, schreiben Sie zuerst „8400“ und ziehen dann die „84“ noch einmal nach, damit man sie lesen kann. So macht das keinen Spaß.

Weniger bekannt als Schneider ist der ebenfalls deutsche Hersteller Schmidt, deren Minen – für Parker/G2 zum Beispiel die P900 M – ab dem ersten Millimeter volle Leistung bringen. Die Minen gibt es bei Amazon und einigen anderen Webshops. Ähnlich gut sind die Minen von Monteverde aus den USA.

Sehr gut schreiben auch die Foray Kugelschreiber, die es bei Viking gibt. Die schreiben dicker als die zuvor genannten Minen, schmieren aber dennoch fast nicht. Nur leider wirken diese Kugelschreiber sehr billig, was sie ja auch sind,  und liegen nicht so gut in der Hand. Aber wen das nicht stört, kann sich über das gute Schriftbild und das flüssige Gleiten übers Papier freuen. Ein Dutzend dieser Kullis kosten zwischen 2,80€ und 3,60€.

Kontieren? Schreiben? Von Hand? Nö, keine Lust!

Macht nichts, es geht auch anders. Wie lange brauchen Sie, um „10000/8400“ leserlich zu schreiben? Bei mir sind es knapp 6 Sekunden. Wenn Sie nun tatsächlich auf dem Beleg kontieren und Mandanten wie ich habe, die monatlich 100 bis 200 Rechnungen mit der exakt gleichen Kontierung ausstellen, können Sie jedes Mal dafür eine Viertelstunde nur fürs Kontieren aufbringen oder sich eine Alternative suchen.
Das Gleiche gilt zum Beispiel auch für Kassen. Wenn 90% der Buchungen mit 8400, 8300, 1360 bzw. 4400, 4300, 1460 kontiert werden müssen, kann man sich schon fragen, warum man sich diese stupide Arbeit antut.

Die Alternative kommt von Trodat, Colop oder Reiner: Stempel! Vier Stempel reichen bei mir für fast alles, obwohl wir viele unterschiedliche Kontenrahmen benutzen.

Die passenden Stempel nennen sich Bänderstempel oder Ziffernstempel. Damit stempelt man vier bis zwölf Ziffern und Sonderzeichen aufs Papier. Ideal ist eine Schrifthöhe von drei bis vier Millimetern. Für die komplette Kontierung wie im ersten Beispiel „10000/8400“ bietet sich ein Stempel mit 12 Bändern an. Damit wäre auch ein Steuerschlüssel möglich wie in „304250/10000“, lediglich bei der Generalumkehr „2304400/70000“ müsste man die „2“ von Hand hinzufügen – aber wie oft braucht man das schon? Ein solcher Stempel sollte vermutlich reichen, zwei oder mehr wären vermutlich schon Luxus.

Für den zweiten Fall bieten sich Stempel mit sechs Bändern an – man nutzt entweder vier Stellen für das Sachkonto, fünf für das Personenkonto oder sechs für ein Sachkonto mit Steuerschlüssel. Allerdings steckt hier der Teufel im Detail, denn:

Es gibt unterschiedliche Hersteller für solche Stempel, die bekanntesten habe ich oben genannt. Und jeder hat unterschiedliche Ausführungen: selbstfärbend mit eingebautem Stempelkissen, Metall offen mit Führung, Plastik geschlossen und so weiter.

Zu den Herstellern:
Trodat ist vermutlich am verbreitetsten und relativ günstig, egal, wo man kauft. Die Marke ist nicht schlecht, hat aber einen gravierenden Nachteil: Das erste Band hat kein Leerzeichen!  Um den Stempel nutzen zu können, musste ich das Dollarzeichen vom ersten Band wegschneiden, das war gar nicht so einfach. Aber nur so habe ich Möglichkeit, zum Beispiel aus „904530“ schnell „4530“ zu machen.
Die üblichen „Gebucht [Datum] ………“ Stempel von Trodat hingegen kann ich uneingeschränkt empfehlen.

Ein Ziffernstempel mit 6 Bändern und 4mm Schrifthöhe

Colop hat in jedem Band ein Leerzeichen und ist deshalb meine Empfehlung. Allerdings sollte man auf den Preis achten – Sechs-Band-Stempel habe ich schon für unter sechs Euro gesehen, aber auch schon für über zwanzig Euro!

Stempel von Reiner habe ich leider nicht. Anscheinend sind diese so gut wie unzerstörbar, haben die ideale Schrifthöhe von 3,5mm und lassen sich sehr gut ausrichten. Allerdings kostet ein Sechs-Band-Stempel netto fast 100€!

Mit drei Bänderstempeln sollte man für die meisten Fälle gewappnet sein.

Theoretisch ist mit diesen insgesamt vier Stempeln eine Zeitersparnis von mehreren Stunden pro Monat möglich!

Ein Buchhaltungs-Blog!

Hallo liebe Leser,

macht euch gefasst – hier wird sich einiges ändern! Inzwischen bin ich ja Vollzeit-Buchhalter und werde meine kaufmännische Ausbildung durch eine zweijährige Weiterbildung im Bereich Buchhaltung veredeln. Während dieser Zeit wird kaum Zeit für Anderes sein, dementsprechend werde ich die nächsten zwei Jahre hauptsächlich über Buchhaltung schreiben. Dies beinhaltet zum Beispiel:

  • Nützliche Helfer im Buchhalter-Alltag: Hard- und Software, alles was das Leben leichter macht. Denn in der Praxis finden sich hilfreiche Dinge, an die ich beim Unterrichten von FiBu und LuG oder beim Buchen ohne Zeitdruck nie gedacht habe.
  • Formeln für HP Solver – eine Sprache, die manche Finanzrechner von HP verstehen ( zum Beispiel die Modelle 17B und 19B in den verschiedenen Varianten). Einmal programmiert, gehen Berechnungen ruck-zuck!
  • Interessante Anekdoten und herausfordernde Probleme aus meiner täglichen Arbeit.
  • Mit etwas Glück eine wachsende Android-FiBu-App.

…und sicher noch mehr, die Zeit wird es zeigen.

Allerdings werde ich sicher auch ab und zu Anderes schreiben. Ich habe jetzt schon sechs unveröffentlichte Artikel zu Themen wie Lieder schreiben, richtig Rasieren, eReader-/Handy-Taschen nähen und so weiter, die ich in den nächsten Wochen und Monaten veröffentlichen werde.

Vielen Dank an alle, die mein Blog immer wieder lesen!

Liebe Grüße

Timo

AfA mit HP-Solver und -Taschenrechnern

Für die Ungeduldigen: Die Formel kommt fast ganz am Ende. Scrollt einfach runter!

Fast alle finanzmathematischen Taschenrechner* von HP beherrschen das Berechnen von Abschreibungen in verschiedenen Varianten wie zum Beispiel Straight Line (lineare Abschreibung), Declining Balance (degressive Abschreibung) oder DDB. Das klingt praktisch, ist es aber in Deutschland und vielen anderen Ländern nicht unbedingt.  Denn leider hat hier HP zu amerikanisch gedacht.

Degressive Abschreibung bedeutet vor allem eines: Die AfA findet in fallenden Jahresbeiträgen statt,  wobei ein fester Prozentsatz vom Buchwert des Vorjahres abgezogen wird.
Zusätzlich gibt es in jedem Land Regeln, die die Höhe der maximalen Abschreibung bestimmen**. Weltweit haben sich verschiedene Standards für die Höhe der Abschreibung durchgesetzt. In den USA – von dort stammt HP ja – ist die Double Declining Balance am verbreitetsten: Es wird der doppelte Prozentsatz der linearen Abschreibung angesetzt. Wird ein Anlagegut zum Beispiel über 5 Jahre mit jeweils 20% linear abgeschrieben, beträgt der Abschreibungssatz bei DDB 40%.
Bei kurzen Abschreibungszeiten resultiert aus dieser Berechnung ein unrealistisch hoher Abschreibungssatz für die ersten Jahre.  Beispiel: Ein PC mit einer Abschreibungsdauer von 3 Jahren und einem Anschaffungswert von 900€ ist bei linearer AfA nach dem ersten Jahr noch 600€ wert – das ist realistisch. Bei der degressiven AfA nach amerikanischem Modell wäre der Restbuchwert nur noch 300€ – das ist unrealistisch. Um solche unsinnige Berechnungen zu unterbinden, legen viele Staaten einen Höchstprozentsatz für die degressive AfA fest***. In Deutschland schwankte diese zwischen 20% und 30%. Zusätzlich durfte die dAfA nie mehr als 2- bis 3-fache der lAfA betragen – genau genommen das jeweils zehnfache des maximalen dAfA-Satzes!

In den USA wird die dAfA also auf Basis des lAfA-Satzes berechnet. In Deutschland ist die dAfA für die meisten Anlagegüter allerdings fix! Denn da höchstens der zehnfache dAfA-Satz angesetzt werden darf, greift die USA-Methode hier nur dann, wenn ein Gut über mehr als 10 Jahre abgesetzt werden soll. Und das sind nicht viele.

Doch leider rechnen die HP-Rechner eben nach der USA-Methode. Für uns ist das schlecht. Wollten wir mit einem HP-Rechner die deutsche dAfA nach dem Gesetzesstand von z. B. 2010 ausrechnen, müssten wir zuerst die Relation zwischen lAfA- und dAfA-Satz errechnen. Beispiel: Wir wollen einen Server degressiv abschreiben. Der HP-Rechner erwartet von uns folgende Werte: Anschaffungswert (7000€), Schrottwert (0€ um es nicht noch komplizierter zu machen), Abschreibungsdauer (7 Jahre), Faktor x, mit dem der lAfA-Satz (100/Abschreibungsdauer in Prozent) multipliziert wird.
In den USA würde der PC mit dem Zweifachen des lAfA-Satzes abgeschrieben, x=200 (200% des lAfA-Satzes).
In Deutschland ist der dAfA-Satz aber auch 25% begrenzt. Wir müssen also zuerst errechnen, wie viel das in Relation zum lAfA-Satz ist. x=25/(100/7)*100=175. Wir müssen im HP-Rechner 175 als Faktor eingeben.

Da vergeht einem doch die Lust, den ansonsten vermutlich heiß geliebten HP-Rechner zu benutzen.

Aber es gibt Lösungen. Für den dienstältesten HP-Rechner, den 12c, findet man Formeln bereits  im Netz.

Die Formel für den HP Solver, der im 17(B(II)) und 19(BII) läuft, stelle ich hier zur Verfügung:

AFA=
(IF(JR>LZ+1 AND MON>1:0:
(IF(JR>LZ AND MON=1:0:
(IF(JR=LZ+1 AND MON>1:(ASW-(ASW*DMX/12*(13-MON)))*(1-DMX)^(LZ-1):
(IF(JR=LZ AND MON=1:(ASW-ASW*DMX)*(1-DMX)^(LZ-2):
(IF(JR>1:(ASW-(ASW*DMX/12*(13-MON)))*DMX*(1-DMX)^(JR-2):
(IF(JR=1:ASW*DMX/12+(13-MON):0
))))))))))))

In der Formel frage ich nicht nach einem Schrottwert, da es nur sechs Softkeys zur Verfügung stehen und man sonst im Display des Rechners scrollen müsste.

Arbeitet am besten von rechts nach links. Gebt dabei folgendes ein:
DMX – maximaler Abschreibungssatz, z. B. 0,25 für 25%
ASW – Abschreibungswert, bei dem o. g. Server 7000€
MON – Monat der Anschaffung, 1 für Januar, 2 für Februar und so weiter
LZ – Abschreibungsdauer oder Laufzeit in Jahren
JR – Gebt hier das Jahr ein, für das ihr die Abschreibung berechnen wollt.
AFA – Mit diesem Softkey wird die AfA für die zuvor eingegebenen Daten berechnet.

Diese Formel kann viel, aber nicht alles. Um sie nicht noch länger zu machen, prüft sie nicht, ob DMX größer als der DMX-fache lAfA-Satz ist. Mit anderen Worten: Für eine Abschreibungsdauer von mehr als 10 Jahren könnt und müsst ihr die original-AfA-Berechnung des HP-Rechners nehmen.

* Ausnahmen sind der erste (HP-80) und der billigste (HP-10b(II(+)))  Finanzrechner von HP.

** Vielleicht nicht in absolut jedem Land. In Nordkorea wird’s so etwas vermutlich nicht geben. Auch für Niue oder Nauru kann ich mir so etwas nicht vorstellen. Die Cookinsulaner haben wenigstens eine eigene Währung, vielleicht haben die so etwas. Immerhin hat der geschätzt 10000 Einwohner starke Staat ein BIP von fast 90 Millionen Euro.

*** Naja, wenn man jetzt noch die Sonder-AfA von 20% und den IAB mit bis zu 40% einrechnet, kann man hier auch seltsame Werte abschreiben…

Ebay als rechte Propagandaplattform

Ja, so sieht’s aus. Es ist ganz einfach: Man stelle einen attraktiven Artikel ein und biete diesen zum Sofortkauf als auch zum Ersteigern an. Der Sofortkaufpreis ist natürlich superhoch, ebenso der Mindestpreis. In der Artikelbeschreibung gibt man dann nach der eigentlichen Beschreibung ein paar Statements ab, die einen verleiten könnten, dem Link zu folgen, der danach kommt. Naja, ein Link ist es natürlich nicht, das darf man ja nicht, sondern ein URL im Klartext.

Ebay bietet die Möglichkeit, „Ratgeber“ zu veröffentlichen. Das ist eine weitere Chance für Rechtsextreme, ihre seltsamen Ansichten zu verbreiten.

Und Ebay spielt dabei mit. Die Gebühren für speziell diese Auktionen sind ja nicht gerade gering. Und natürlich ist es auch für den Anbieter eine Gratwanderung – zu direkt darf man nicht werden, man darf nicht zuviel sagen.

Wenn man das Netz durchforscht, findet man natürlich mehr als genug Seiten mit rechtem oder gar verfassungsfeindlichem Inhalt. Normalerweise rege ich mich darüber nicht so sehr auf wie im aktuellen Fall. Aber diese Seiten werden im Normalfall nur vom entsprechenden Klientel aufgesucht – die über Ebay beworbenen Seiten jedoch von allen möglichen Leuten, die vielleicht darüber erst zu diesem verwirrten Gedankengut kommen.

Stein des Anstoßes ist eine Auktion von Dr. Gerd Reinhold, bekannt für Kommentare wie:

„(Schein-) Konservative und (Alt- und Neu-) Liberale werden allüberall eine Weile regieren bzw. die Linken und Grünen ablösen, aber dann wird es schließlich und definitiv zur Herrschaft der rechten kommen – und das zu Recht (weil alle die Anderen nicht nur keine Probleme lösen, sondern im Gegenteil nur noch gravierende neue schaffen . . .).“

Dr. Gerd Reinhold – übrigens gar ein Prof. a. D. –  will nach seinem Studium der Rechte, Soziologie, Japanologie und Sinologie in Osaka/Japan gelebt haben. Dafür habe ich bei ihm erstaunlich japanfeindliche Aussagen gelesen. Zudem scheint er sich beim Thema Kamerakauf in Japan nicht sehr gut aus zu kennen. So schreibt er zu einer Autocord, die er zum Sofortkauf für 490€ anbietet:

„Da müssen Sie schon bis Japan fahren, um evtl. wieder solch ein Exemplar von MINOLTA AUTOCORD zu finden … Und die Preise hierfür in Japan – erkundigen Sie sich selbst!“

Naja, natürlich muss man nicht nach Japan fahren, um von dort eine Kamera zu kaufen. Bedenkt man dieses, erschließt sich schon, für wie blöd dieser Mann einen hält – oder gar selber ist. Abgesehen davon finde ich diese Kamera ohne lang zu suchen im neuwertigen Zustand mit Versand für ca. 250€. Japanische Kameras sind in Japan im Regelfall wesentlich billiger als in Europa. Meine neuwertige Fuji GS645S  (übrigens eine Traumkamera) zum Beispiel habe ich für 150€ inklusive Versand ersteigert – in Deutschland wäre der doppelte Preis noch ein Schnäppchen.

Viel schlimmer sind natürlich seine Seiten http://deutschland-agenda.info/, http://www.ultimatum-online.info/ und http://dritterweg.de/. Ich fordere jeden Leser auf, sich diese Seiten anzusehen und zu versuchen, diese zu lesen. Ihr werdet es nicht schaffen! Er benutzt unzählige Klammern, in vielen Sätzen steht sogar mehr in den Klammern als im eigentlichen Satz! Der Schreib… ähm… „stil“ ist so verworren, dass es mir unvorstellbar ist, wie so ein Mann einen Doktortitel bekommen konnte.

Auszüge gefällig? Zu Ministerin Özkan, die er als „Trojanisches Pferd“ bezeichnet, schreibt er:

„Es ist nicht „gut“ (Wertung!) , dass die aus Hamburg stammende Muslimin  Aygül Özkan im CDU-regierten Niedersachsen bzw. in Deutschland zur Ministerin ernannt wurde, sondern jetzt schon ganz deutlich: eine Provokation!“

Er scheint Probleme zu haben mit
– dem „Frauenquoten-Terror“
– der „Diskriminierung der deutschen Sprache“ gegenüber Englisch, Spanisch und Französisch, obwohl Deutsch in der EU die meisten Muttersprachler hat – der Rest der Welt scheint wohl nicht zu zählen
– der „Zerstörung der Wirtschaft durch Finanzgangster“
– „Deutschland-feindlichen Typen“, damit meint er Linke, Liberale, Grüne und Feministinnen,  die das Sagen haben und „die Bevölkerung kommandieren“
– dem „Fakt“, dass Deutschland faktisch bankrott sei
– dem „Denkverbot“, das potentiellen Nationalsozialisten verbietet, über „Themen, die im Zusammenhang mit dem Judentum stehen“ zu diskutieren. Dieser Euphemismus ist fantastisch, oder?
… sorry, aber ich kann mir das nicht weiter antun. Weitere Beispiele für diese – ich kann’s nicht anders sagen – gequirlte Kacke findet ihr auf den o. g. Seiten.

Was will ich eigentlich?

Solche Leute wird es immer geben. Und wenn sie Webseiten habe, so wird man kaum etwas dagegen machen können, selbst wenn sie verfassungswidrige Inhalte haben. Aber dass Ebay da mit macht? Das muss nicht sein! Beschwert euch bei Ebay über seine Auktionen und Ratgeber. Das gilt natürlich nicht nur für ihn, sondern für jeden Nazi, der Ebay für seine Zwecke missbraucht. Wenn ein einzelner das meldet, macht Ebay leider nichts, aber bei mehreren müssen die irgendwann aktiv werden.
Dr. Reinholds Auktionen und seinen Ratgeber findet ihr unter http://myworld.ebay.de/dd-a-m/?_trksid=p4340.l2559. Macht etwas!

Wenn ihr noch mehr von diesen Spinnern bei Ebay findet, lasst es mich bitte wissen. Danke!