Frust! Songideen merken…

Ich weiß ja nicht, wie’s euch so geht. Früher habe ich für meine Bands ohne Probleme Stücke geschrieben – die Qualität war nicht ganz so wichtig, Hauptsache Spaß!
Heute ist es schwieriger, auch weil ich nicht mehr so aktiv Musik mache und keine Band zur Verfügung habe. Aber ab und zu nehme ich doch was auf.

Es gibt bei mir ein paar Arten, wie Songideen entstehen:

  • Ich setze mich hin und zwinge mich, etwas zu schreiben. Zum Spaß mache ich das nicht, also habe ich das schon ewig nicht mehr gemacht.
  • Ich träume ein Lied. Kommt öfter vor, aber umsetzen konnte ich das nur ein oder zwei Mal.
  • Ein Stück entsteht aus dem Jammen. Geht fast nur mit Band, gibt’s bei mir also nicht mehr.
  • Es gibt eine Grundidee, ein Riff zum Beispiel, und das arbeitet man nach und nach aus.
  • Plötzlich ist ein ganzes Stück im Kopf! Einfach so!

Wenn man ein Lied träumt oder eine Grundidee hat, muss man das Ganze erstens im Kopf behalten und zweitens dann auch umsetzen können. Es passiert oft, dass ich eine Melodie im Kopf habe, diese auf der Gitarre spielen will und einfach nicht die Töne finde. Dann merke ich, dass die Idee wohl doch nicht komplett war.

Aber heute war – boom! – plötzlich ein komplettes Lied in meinem Kopf! Mit allem Drum und Dran: Vocals, Lead und Rhythm Guitar, Bass, Drums, sogar einem Großteil der Lyrics! Saugeil! Gitarre geschnappt und losgespielt, naja, nicht ganz einfach für die Finger, aber nach einer Weile lief es flüssig. Nächster Schritt: Aufnehmen! Unbedingt konservieren! Das Lied so lange im Kopf behalten (summen), bis es im Kasten ist.

Mein Frau schaut im Wohnzimmer fern, also kann ich nicht am PC aufnehmen. Also Laptop geschnappt, da habe ich ja gerade erst Cubase LE 6 aus der Keys installiert, und in die Küche gebracht. Audio Interface geholt und angeschlossen. Melodie wieder gespielt – die Gitarre ist komplett verstimmt. Sind ja auch nagelneue Saiten drauf, super… Stimmgerät geholt, Frau will mir etwas erzählen. Nach zwei Minuten bitte ich sie, das zu vertagen, weil ich sonst die Idee verlieren könnte. Sie hat Verständnis dafür! Zurück in der Küche wird die Gitarre gestimmt. Cubase starten, Gitarre anschließen – kein Ton. Ich habe ja alles gerade neu installiert, also muss ich Cubase erst mal erzählen, dass es nicht die Standardsoundkarte nehmen soll. In den nächsten Minuten merke ich, dass LE 6 sich von LE 5 doch etwas unterscheidet und ich nicht ganz ohne Hürden zurecht komme. Egal, die Melodie ist noch da. Am Rauschen merke ich dann, dass der Sound jetzt über die richtige Karte läuft. Aber von der Gitarre höre ich nichts! WTF? Kabel ist okay… könnte es sein… ja, die Batterie ist leer. Schön wär’s! Die Batterie ist nicht nur leer, sondern komplett ausgelaufen und die Kontakte des Batteriefachs sehen sowas von übel aus! Da werde ich wohl ein komplett neues Batteriefach bestellen müssen. Also fange ich an, die Kontakte zuerst mit einer Fonduegabel und dann mit Alkohol zu bearbeiten. Geht nicht gerade schnell und hat auch nicht so viel Erfolg. Aber keine Problem, das Lied ist noch im Kopf. Die Melodie habe ich ja oft genug auf der Gitarre gespielt, um sie nicht zu vergessen. Neue Batterie rein und los geht’s! Nö, Moment! Das Brummen ist lauter als die Gitarre. So hat das keinen Sinn. Ich suche also nach der Fehlerquelle und finde sie nicht wirklich. Zwar kann ich das Brummen etwas reduzieren, aber weg bekomme ich es nicht. Jetzt kann’s endlich los gehen! Wie war die Melodie noch einmal? Die Töne fallen mir ja noch ein, aber ohne die passende Reihenfolge und den Rhythmus… tja, Pech gehabt…

Batteriekontakte von außen - von innen sieht's natürlich noch viel schlimmer aus, lässt sich aber nicht sinnvoll fotografieren

Advertisements

GO!GO!7188 – go-go-gone

Tja, das war’s. Nach 14 Jahren Bandgeschichte geben
GO!GO!7188 im Februar 2012 ihre Auflösung bekannt.

Die japanische Band war selbst in ihrem Heimatland nicht sehr bekannt, dennoch hatte sie einen erstaunlich großen Einfluss auf auf die japanische Musikszene und treue Fans überall auf der Welt. Und das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie sehr die Musik der Band sich im Lauf der Jahre gewandelt hat. Ich kenne keine vielseitigere Band: GO!GO!7188 bietet eine Mischung aus Rock, Pop, Surf, Punk, Enka, klassischer japanischer Musik, Jazz… Die Band stand nie still, keine zwei Alben haben sich jemals geähnelt. Gerade deshalb durft man jede neue CD mit Spannung erwarten.

A propos Einfluss: Letztes Jahr erschein das Album GO!GO!7188 A Tribute GO!GO! A GO!GO!, auf dem auch namenhafte Bands GO!GO!-Lieder coverten. Dabei waren zum Beispiel: POLYSICS, Shonen Knife (sollte man sich auch mal anhören) und Detroit7.

Mein Traum war es immer, die Band einmal live zu sehen. Die Konzerte waren sicher etwas Besonderes: Man findet im Netz unglaublich viele Videos von Stücken, die GO!GO! bei einem Konzert live und sonst nirgendwo und nie wieder gespielt haben. Das ist genau dass, was Fans sich bei einem Konzert am meisten wünschen! Meistens handelt es sich dabei um Covers in Japan bekannter Lieder – damit hat GO!GO! sowieso Erfahrung. Neben den regulären Studioalben haben sie noch zwei Alben mit Coverversionen aufgenommen. Und bei ihnen haben die Stücke einfach mehr Schmackes, Power, Spaßfaktor oder wie bei meinem Lieblingscover („Spider“, im Original von der Band Spitz) viel mehr Feeling.

Ich muss es einfach noch sagen: Es gab in meinem Leben immer wieder besonders wichtige Bands, die sich abgelöst haben. Diese sind teilweise sehr unterschiedlich und GO!GO!7188 passt da eigentlich eher nicht rein. Der Reihe nach waren das: The Beatles, The Smiths, Cocteau Twins(, irgendwie vielleicht auch Faith No More) und dann eben GO!GO!7188. Ich bin ja kein Fanboy, aber das hier habe ich mir nicht nehmen lassen:

Wie geht’s weiter in Zukunft?

Grund der Auflösung war Yuus Austreten mit der Begründung, die Band wachse zwar noch, aber sie selbst habe die Grenze dessen erreicht, was sie für die Band zu tun fähig ist. Ich hoffe, das ist ein Fall von „lost in translation“, denn, naja, wie soll man das nur (postitiv) interpretieren?
Egal, mit Yuu geht es sicher weiter! Vor Jahren hat Sie schon mit ihrer Zweitband Chirinuruwowaka ein poppigeres aber wirklich tolles Album rausgebracht. Das unglaubliche Soloalbum „Ten no Mikaku“ hatte sie bereits ein Jahr früher veröffentlicht – eine Art künstlerische Musikfilm mit Elementen aus Rock, Pop und traditioneller Musik. Selbst wenn man mit dem Film nichts anfangen kann – die Musik ist meisterhaft.
Yuu hat also Energie für zwei! In den letzten Jahren hat sie auch einige japanische Musiker produziert, die wesentlich bekannter sind als Yuu selbst. Achtet mal drauf, wenn ihr japanische Bands hört. Man kann Yuus Stil überall raushören. Zuletzt hat sie gemeinsam mit THE BOOM ein Stück aufgenommen.
Ob sie in Zukunft mehr Musik produzieren oder für sich selbst schreiben wird – wer weiß? Aber man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

Akko, die Basistin, die auch die meisten Texte geschrieben hat. Schwierig. Ihr Soloprojekt… naja, sie ist vielleicht nicht die geborene Sängerin.
Die Herkunft des Bandnamens wurde nie bekannt gegeben, aber wenn man in einem japanischen Handy 557188 (go=5) eingibt, erscheint auf dem Display のま♥  (のま=Noma). Damals gab es einen Mann namens Noma in der Live Hall, in der die Band ab und zu gespielt hat. Tja, und 2006 hat Akko einen Herrn Noma geheiratet und trägt nun selber diesen Namen.
Akko wurde übrigens gerade 32 (Alles Gute nachträglich!). Es ist ein Cliché, aber ich hab’s schon so oft gesehen. Japanische Frauen scheinen oft der Meinung zu sein, in diesem Alter in den beruflichen Ruhestand gehen und eine Familie gründen zu müssen.

Turkey ist meiner Meinung nach am meisten gewachsen. Sein Stil hat sich stark verändert, sein Können ist nun so viel größer. Am Anfang war er einfach nur ein Schlagzeuger, irgendwie austauschbar, aber im Laufe der Zeit wurde sein Spiel so individuell, tight, kreativ, seine Technik so perfekt… Er scheint keine anderen Bandprojekte gehabt zu haben. Wie es bei ihm weitergehen mag? Ich bin gespannt.

Zum Schluss möchte ich mich bei GO!GO!7188 bedanken. Ihr habt mich inspiriert, mir beigestanden, mein Leben besser gemacht.
Vor allem Yuu… das klingt jetzt vielleicht komisch… Yuus Stil an der Gitarre ist meinem sehr ähnlich. Sie ist sicher keine Gitarrengöttin wie beispielsweise Jennifer Batten. Aber sie hat mir gezeigt, wie unglaublich kreativ man sein und wie geniale Musik man machen kann mit den handwerklichen Möglichkeiten, die auch mir zur Verfügung stehen. Das ist eine unglaublich große Motivation, auch wenn ich natürlich nicht ihr Genie und vermutlich nicht ihre Power habe.

Hier sind ein paar Videos, die die Vielseitigkeit zeigen. Hoffentlich bleiben Sie lange online.

GO!GO!7188 Koi n Uta – das vermutlich bekannteste Lied. Eher untypisch ruhig für die Band, aber sehr schön.


Ukifune – beeindruckend!






Es fehlt noch so viel: C7, Tokyo, Tane, Tayo, Koi no Dorei und so weiter und so fort… und natürlich auch Yuus Soloprojekt. Sucht einfach mal, es gibt tausende Videos. Oder kauft einfach gleich die CDs!

Nein, von Yuu muss zumindest ein Solo Stück rein: